Resultate der einzelnen Wettkämpfe

 

Auswertung Graubünden Marathon 25. Juni 2005

 

Am diesjährigen Graubünden Marathon nahmen 382 Sportler teil. Es wurden total 5 Frauen und 49 Männer von uns befragt, wobei die meisten der Athleten in der Altersklasse zwischen 40 und 49 anzusiedeln sind. Praktisch alle waren nach einer kurzen Verschnaufpause bereit, uns bei der Studie zu unterstützen und die Fragen zu beantworten. Unsere Helfer mussten aber mehrmals daran erinnert werden, dass sie, wenn immer möglich, darauf bestehen, dass der Fragebogen von den Athleten selbst auszufüllen ist. Die Ehrlichkeit der Antworten ist unserer Meinung nach somit besser garantiert. Ansonsten verlief die Befragung reibungslos.

Von diesen 54 Sportlern hat der grösste Teil (46%) einen Trainingsaufwand im Bereich von 6-10 Stunden und fast die Hälfte übt neben Ausdauersport zusätzlich noch anderen Sport aus.

 

Die wichtigsten Resultate werden im folgenden Text aufgelistet und graphisch dargestellt. Sie beziehen sich jeweils auf die im Fragebogen gestellten Fragen, welche im Anhang nachzulesen sind.

 

                     Tabelle 2

 

Wir wollten wissen, mit welchen Schlagwörtern die Sportler den Begriff Doping assoziieren. Wie aus der Tabelle 2 ersichtlich ist, stellt Doping für 28% der befragten Breitensportler eine Gefahr für die Gesundheit dar. Dieses Ergebnis rührt höchstwahrscheinlich daher, dass in der Vergangenheit schon etliche negative Schlagzeilen (gesundheitliche Schäden oder gar Todesfälle) in den Medien auftauchten. Die Angabe ist dennoch recht erstaunlich, da diese Athleten angaben, noch nie Doping konsumiert zu haben und somit keine physiologischen Kenntnisse über diese, ursprünglich für die Medizin gedachten Mittel, besitzen. Wir nehmen deshalb an, dass die Verbindung des Begriffes Doping mit gesundheitlichen Schäden vor allem durch die Medien geprägt wird.

26% der befragten Teilnehmer verbinden den Begriff Doping mit verbotenen Substanzen. Diese Antwort erstaunt wenig, da überall wo Doping auftaucht auch das Wort „Verboten“ zu lesen ist.

Doch die wichtigste Aussage bezüglich unserer Hypothese (siehe Seite 38), ob Doping auch im Breitensport ein Thema ist, stimmten nur gerade 6% zu. Auch erstaunt es, dass nur gerade 16% Doping mit Spitzensport verbinden, wo doch Dopingfälle ausschliesslich im Spitzensport thematisiert werden.

Einige Athleten verbinden den Begriff zusätzlich mit Betrug, dem Radsport und psychischen Problemen.

 

Wird aber der Dopingmissbrauch als Problem thematisiert (Frage 2), sehen die Resultate anders aus, wie wenn Athleten ganz allgemein den Begriff Doping zuordnen müssen. Hier wurde, im Vergleich zu den oben genannten 16%, der Spitzensport mit 38% als grösster Problembereich angesehen (siehe Tab. 3).

 

                              Tabelle 3

 

Die zweithäufigste Antwort ist mit 16% der Breitensport. Nur knapp dahinter mit 14% folgt der Fitnesssport. Dies ist daher interessant, da der Fitnesssport mit der ganzen Bodybuilder-Szene für die Einnahme von beispielsweise muskelaufbauenden Substanzen wie Anabolika weitaus bekannter ist.

 

Bezüglich der Hypothese 2, bei der es um die Bereitschaft zur Einnahme von Doping geht, sehen die Resultate folgendermassen aus (siehe Tab. 4); 6% gaben den Konsum von Dopingmitteln zu, wobei Koffein, welches nicht mehr auf der Dopingliste vorhanden ist, auch genannt wurde. Die anderen Mittel sind Ventolin und Oxis (Asthmaspray). Nur gerade 2% wären bereit, Doping zu konsumieren, wenn keine Sanktion folgen würde. Doch 26% würden Doping einnehmen, wenn die Konsumation keine gesundheitlichen Schäden zur Folge hätte. Den Athleten ist die Gesundheit folglich doch recht wichtig.

 

                     Tabelle 4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zusätzlich wollten wir wissen, ob und wie viele Athleten einen Wettkampf unter Einfluss von Medikamenten absolvieren.

 

                            Tabelle 5

 

Die 17% konsumierten unter anderem Schmerzmittel (Aspirin®, Voltaren®, Ponstan®, Dolomin®), Grippemittel (Panadol®), Asthmamittel (Oxis®, Rhinocort®, Ventolin®), Mittel gegen Allergien (Zyrtec®) und homöopathische Mittel, wobei alle jene gegen  Asthma auf der Dopingliste zu finden sind. (siehe Tab. 5)

Regelmässig wurden nur homöopathische Mittel und Medikamente gegen Allergien eingenommen. Diese Medikamente werden konsumiert, um eine Krankheit zu bekämpfen oder vorzubeugen.


 

Auswertung Ironman Zürich 17. Juli 2005

 

Die Befragung am Ironman, bei welchem dieses Jahr 1286 Personen angemeldet waren, gestaltete sich weit schwieriger als erwartet. Viele der Athleten waren total am Ende ihrer Kräfte oder litten an gesundheitlichen Beschwerden wie Übelkeit, Krämpfen, Bauch- und Kopfschmerzen. Vielen war deshalb eine Befragung nicht zumutbar. Auch haben wir nicht berücksichtigt, dass viele ausländische Athleten an diesem Wettkampf teilnehmen; der Fragebogen hätte im Voraus in mehrere Sprachen (Englisch, Italienisch, Französisch) übersetzt werden sollen. So war es recht mühsam, die teils nicht ganz einfachen Fragen mit ihren speziellen Ausdrücken auch korrekt zu übersetzten oder zu umschreiben. Glücklicherweise gehörte zu unserer Helfercrew unter anderem eine fliessend Englisch sprechenden Person sowie ein Spanier. Auch die anderen Personen konnten sich in mehr als einer Sprache einigermassen gut verständigen. Erstaunlicherweise erklärten sich aber viele Athleten bereit, die Fragebogen selbst ausfüllen.

An der Befragung nahmen 38 Athleten teil, davon 4 Frauen. Die meisten dieser Athleten trainieren 15 Stunden und mehr, was wahrscheinlich auch notwendig ist, um eine solche Leistung zu erbringen.

 

Bei der Frage, was sie mit dem Begriff Doping verbinden, war die meistgenannte Antwort „Verbotene Substanzen“. 14% verbinden Doping mit dem Spitzensport und nur 8% mit Breitensport (siehe Tab. 6).

 

                              Tabelle 6

 

 

Begriffe wie „unerlaubte Substanzen“, „Gefahr für die Gesundheit“ und „Leistungs-

steigerung“ demnach am ehesten mit Doping verbunden. Wird jedoch spezifisch der Missbrauch des Dopings thematisiert, sehen es hier die meisten Athleten als ein Problem des Spitzen- und Breitensports (26% und 21%). Hier wird der Breitensport vor dem Fitnesssport genannt, was, wie bereits beim Graubünden Marathon, etwas aufhorchen lässt, da bekanntlich die Fitnessszene eher berühmt für ihre muskelaufbauenden Zusatzpräparate ist. Ebenfalls glauben 12%, dass das Problem des Dopingmissbrauches nicht zu lösen ist und weiter bestehen bleibt (siehe Tab. 7).

 

                    Tabelle 7

 

Bezüglich der Bereitschaft zum Dopingkonsum gaben drei Athleten an, dass sie Mittel gebrauchen, von welchen sie wissen, dass sie auf der Dopingliste vermerkt sind (haben keine Angaben gemacht). Bemerkenswert ist auch die Anzahl der Dopingmittel, welche ihnen aus der Sportwelt bekannt sind. Dabei wurden mehr als 20 Mittel genannt, wobei viele von ihnen von mehreren Personen genannt wurden. Dies hängt höchstwahrscheinlich auch mit der Tatsache zusammen, dass doch 39% über Kenntnisse der Dopingliste verfügen.

Bezüglich der Bereitschaft zur Einnahme von Doping ist das Resultat recht auffallend; nur gerade zwei Athleten sind bereit, Doping einzunehmen wenn der Gebrauch nicht sanktioniert würde. Dies deshalb, weil sie auf eine schnellere und bessere Erholung hoffen. Wäre der Gebrauch von Doping zwar verboten, aber die Gesundheit würde dabei nicht zu schaden kommen, gaben doch 29% an, dass sie bereit zur Einnahme von Doping wären (siehe Tab. 8).

 

                                Tabelle 8

 

Betrachtet man die Konsumation von Medikamenten, nehmen 29% der Athleten in den letzten sieben Tagen vor dem Wettkampf verschiedene Mittel ein (siehe Tabelle 9); Allergien (Claritine®, Telfast®), Blähungen (Poylsilan®), Schmerzmittel (Voltaren®, Brexine®, Panadol C®), Durchfall (Imodium®), Asthmamittel (Salbutamol®, Theophyllin®); davon ist das Asthmamittel Salbutamol® auf der Dopingliste.

 

                                 Tabelle 9

 

Regelmässig nehmen 34% der befragten Athleten Medikamente zu sich, wobei Asthmaspray, homöopathische Mittel und Medikamente gegen Allergien am häufigsten genannt wurden. Eine Person gab an, sie würde regelmässig etwas gegen Husten und Halsweh einnehmen. Die meisten konsumieren die Mittel, um eine Krankheit zu bekämpfen. Zwei gaben jedoch an, sie würden mit der Einnahme die Leistung im Sport verbessern.


 

Auswertung Swiss Bike Masters 24. Juli 2005

 

Die Befragung in Küblis am Swiss Bike Masters gestaltete sich ähnlich wie am Graubünden Marathon. Von den 496 angemeldeten Fahrern waren nur gerade 19 Frauen dabei. Aufgrund unserer günstigen „Position“ kamen praktisch sämtliche Athleten, welche den Wettkampf beendet hatten, an uns vorbei. Wir erhielten nur ganz wenige Absagen, allerdings war es schwieriger, die Athleten dazu zu bewegen, den Fragebogen selbst auszufüllen, da sie teilweise ganz verschmutzte Hände hatten und mit Bike und Trinkflaschen etwas „überladen“ waren.

Wir befragten 41 Männer, wobei die meisten im Alter zischen 30 und 40 waren. Etwa die Hälfte nimmt einen Trainingsaufwand zwischen 11 und 15 Stunden wöchentlich auf sich. Es gibt praktisch keine Athleten, welche ein Trainingspensum von weniger als 5 Stunden aufweisen. Jene, welche nicht gar so viel im Ausdauersport trainieren, pflegen nebenbei noch andere Sportarten.

 

Die meisten Sportler verbinden den Begriff Doping hauptsächlich mit Verbotenen Substanzen und der Gefahr für die Gesundheit sowie der Leistungssteigerung. Spitzen- und Breitensport ist für viele nicht primär mit Doping zusammenhängend.

 

                     Tabelle 10

 

Wie in Tabelle 11 ersichtlich ist, sehen die von uns befragten Breitensportler den Spitzensport mit 27% als grösstes Problem des Dopingmissbrauches. Auch der Breitensport hat ihrer Meinung nach Probleme mit verbotenen Substanzen (21%).

                     Tabelle 11

 

 

Von allen befragten Athleten gab eine einzige Person an, Doping zu konsumieren (Cannabis). Werden die Athleten bezüglich der Bereitschaft zur Einnahme von Doping gefragt, sehen die Resultate folgendermassen aus (siehe Tabelle 12). Würde es beim Konsum von Doping keine Sanktionen geben, wären 5% der Sportler zur Einnahme von Dopingmitteln bereit. Ganz anders sieht es aus, wenn die Einnahme keine gesundheitlichen Schäden zur Folge hätte; 27% wären dann zur Konsumation bereit.

 

                     Tabelle 12

 

 

 

 

 

 

 

7% bejahten die Frage, ob sie in den vergangen 7 Tagen Medikamente, Schmerzmittel u.ä. konsumiert haben (siehe Tabelle 13). Dazu gehören Mittel gegen Asthma, Ponstan® und Fluimicil®. Regelmässig werden von drei Personen homöopathische Mittel eingenommen.

 

                        Tabelle 13


 

Gesamtresultate und Auswertungen der Wettkämpfe

 

Allgemeine Angaben

 

An unserer Befragung nahmen insgesamt 133 Athleten teil. Davon waren nur gerade 9 Frauen. Dieser geringe Frauenanteil erklären wir uns damit, dass einerseits die körperliche Belastung an den Wettkämpfen enorm hoch ist und andererseits aus Gründen der zeitlichen Ansetzung der Befragung; die schnellsten Frauen trafen nämlich gleichzeitig wie jene Männer ein, welche zu den ambitionierten Breitensportlern gehörten. Ein weiterer Grund ist natürlich auch die deutlich kleinere Meldezahl der weiblichen Teilnehmerinnen an solchen Ausdauerwettkämpfen.

Kennzeichnend dafür, dass die Befragung an Ausdauerwettkämpfen durchgeführt wurde, ist die typische Alterskategorie von 30 - 50 Jahren (siehe Tab. 14).

 

 

        Tabelle 14

 

Betrachtet man den wöchentlichen Aufwand, der ein Athlet für seine Sportart aufwenden muss, ist es nicht verwunderlich, dass ein Grossteil der Ironman-Teilnehmer über 15 Stunden pro Woche trainiert (siehe Tabelle 15). Der Trainingsaufwand für den Graubündenmarathon beträgt grösstenteils zwischen 6 und 10 Stunden. Um ein Bikemasters erfolgreich zu absolvieren, gaben die Athleten einen durchschnittlichen Aufwand von 11 -15 Stunden an, wobei der Trainingsaufwand eines Bikers im Vergleich zu einem Läufer fast doppelt so gross sein muss, um einen ähnlichen physiologischen Effekt zu erlangen.

 

                       Tabelle 15

 

 

 

 

Auswertung der 1. Hypothese

 

„Breitensportler betrachten die Dopingproblematik nur als Teil des Spitzensports, nicht aber des Breitensports.“

 

Auf die Frage, wo die Athleten das Problem des Dopingmissbrauchs sehen, haben von all den 133 befragten Sportlern 32% den Spitzensport angegeben (siehe Tabelle 16). Die zweithäufigste Antwort war mit 19% der Breitensport. Dieser Anteil ist, entgegen unserer Erwartung, doch eher hoch. 

Die Athleten sehen somit die Dopingproblematik nicht nur als Teil des Spitzensports, sondern sind der Überzeugung, dass auch im Breitensport mit Dopingmissbrauch zu kämpfen ist. Die erste Hypothese, dass die Athleten die Dopingproblematik nur als Teil des Spitzensportes ansehen, muss somit verworfen werden.

 

                            Tabelle 16

 

Wenn man nun die drei Wettkämpfe bezüglich des Problems des Dopingmissbrauchs näher betrachtet, kann man kaum grosse Unterschiede feststellen. Sowohl beim Graubünden-Marathon als auch beim Ironman und Bikmasters sind die Athleten überzeugt, dass nicht nur im Spitzensport mit Doping zu kämpfen ist, sondern auch im Breitensport mit Dopingmitteln hantiert wird (siehe Tabelle 17). Erstaunlicherweise wird der Fitnesssport mit der ganzen Bodybuilderszene nicht überall als grosses Problem angesehen, obwohl dort der Dopingmissbrauch verhältnismässig hoch ist.

Mit 15% der Antworten wird die ganze Problematik auch als Teil der Gesellschaft angesehen. Dabei wurde neben finanziellen Aspekten auch die Arbeitergesellschaft erwähnt, die leistungssteigernde Mittel konsumieren, um die körperliche Leistung zu erhöhen.

 

 

      Tabelle 17

Auswertung Hypothese 2

 

„Viele Breitensportler sind bereit Doping zu konsumieren, um die eigene Leistungsfähigkeit zu verbessern.“

 

Um Antwort auf diese Hypothese zu erhalten haben wir zwei Fragen gestellt, die zwei unterschiedliche Aspekte beinhalten. Bei der ersten Frage wollten wir von den Athleten wissen, ob sie bereit wären Doping zu konsumieren, wenn der Gebrauch nicht sanktioniert würde. Bei der zweiten Frage ging es um die Bereitschaft zum Dopingkonsum, wenn dies der Gesundheit nicht schädigen würde.

 

Die Resultate fielen wie folgt aus:

 

Nur gerade 4% der Befragten sind bereit Doping zu konsumieren, falls dies keine Sanktionen zur Folge hätte (siehe Tabelle 18).

 

 

                                       Tabelle 18

 

Aus den Gesprächen mit den Athleten, konnten wir unterschiedliche Gründe für eine Ablehnung feststellen. Der grösste Teil dieser 96% würden aus Prinzip kein Doping konsumieren. Andere wären, falls die Einnahme legalisiert würde, bereit, solche Mittel zu konsumieren, hätten aber vor gesundheitlichen Schäden Angst.

 

Dass diese Aussage zutrifft, konnte man bei der zweiten Frage nach der Konsumbereitschaft ohne gesundheitliche Folgen gut feststellen. Hier gaben nämlich 27% der Befragten an, sie wären bereit Doping zu konsumieren, falls die Einnahme keine gesundheitlichen Schäden zur Folge hätte (siehe Tabelle 19)

 

 

                                     Tabelle 19

 

Betrachtet man nur die Aussage bezüglich der Konsumbereitschaft ohne Sanktionen, müsste die Hypothese eigentlich verworfen werden.

 

Berücksichtigt man jedoch die zweite Frage zu dieser Hypothese, muss diese angenommen werden. Denn auf die Frage zur Konsumbereitschaft von Doping ohne  gesundheitliche Schäden antworteten 29% mit ja.

 

Auswertung Hypothese 3

 

Da wir davon ausgehen, dass viele Sportler unter Einfluss von Medikamenten an solchen extremen Ausdauerwettkämpfen teilnehmen, haben wir folgende Hypothese aufgestellt:

 

„Mehr als ein Viertel der Breitensportler absolvieren einen Ausdauerwettkampf unter Einfluss von Medikamenten.“

 

Wir wollten von den Teilnehmern wissen, ob sie in den vergangenen 7 Tagen Medikamente, Schmerzmittel oder ähnliche Präparate zu sich nahmen, was die medikamentöse Einwirkung am Wettkampftag mit einschliesst.

19% der Teilnehmer gaben an, Medikamente konsumiert zu haben (siehe Tabelle 20).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                        Tabelle 20

 

 

 

Jene Medikamente, welche in den vergangenen 7 Tagen vor dem Wettkampf konsumiert wurden, sind in Tabelle 21 ersichtlich.

 

Substanzen

Indikation

Anzahl Nennungen

 

Substanzen

 

Indikation

 

Anzahl Nennungen

 

Aarane

Asthma

1

Poylsilan

Blähungen

1

Algifor

Schmerzmittel

1

Ponstan

Schmerzmittel

3

Agopton

Säurehemmer

1

Pulmicort

Asthma

2

Aspirin

Schmerzmittel

4

Rhinocort

Asthma

2

Cannabis

 

1

Salbutamol

Asthma

1

Claritine

Allergie

1

Seretide

Asthma

2

Dolomin

Schmerzmittel

2

Telfast

Allergie

1

Floxapen

Antibiotikum

1

Theophyllin

Asthma

1

Fluimicil

Schleimlösend

1

Ventolin

Asthma

2

Homöopathie

 

3

Voltaren

Schmerzmittel

2

Imodium

Durchfall

1

Oxis

Asthma

1

Panadol C

Grippemittel

2

Xefo

Schmerzmittel

2

Paracetamol

Schmerzmittel

1

Zyetec

Allergien

2

Tabelle 21

 

Von den 19% der Athleten, welche in den letzten 7 Tagen vor dem Wettkampf Substanzen konsumiert haben, nehmen die meisten Schmerzmittel ein. Am zweithäufigsten werden Mittel gegen Asthma eingenommen. 26% der genannten Mittel befinden sich auf der Dopingliste.

 

Obwohl die Anzahl der Konsumenten recht hoch ist (19%), muss die Hypothese knapp verworfen werden.


 

Vergleich mit anderen Studien

 

Vergleicht man die von uns durchgeführte Untersuchung mit den Studien die am Jungfraumarathon (1998) und am Swiss Alpine Marathon (2000) durchgeführt wurden, kann man folgendes feststellen.

 

Vergleich mit dem Jungfraumarathon von 1998

 

Am Jungfraumarathon wurden die Athleten mittels Urinprobe auf Dopingmissbrauch

untersucht. Als anfänglich nur 1% der Untersuchung positiv waren, wurde eine zweite Untersuchung eingeleitet, die spezifisch den Medikamenten galt. Das Resultat gab an, dass 34% der Teilnehmer den Wettkampf mit medikamentösen Substanzen im Körper gelaufen sind (siehe S. 23).

Bei der von uns durchgeführten Studie am Bündner Marathon gaben 17% an, in den letzten 7 Tagen vor dem Wettkampf Medikamente eingenommen zu haben. Am Ironman waren es 29% der Teilnehmer, welche den Wettkampf „mit Hilfe“ von Medikamenten absolvierten. Beim Bikemasters waren es dagegen „nur“ 7%, die die Frage nach der Einnahme von Medikamenten mit ja beantworteten. Vergleicht man die gemachten Untersuchungen, hat die Einnahme von Medikamenten leicht abgenommen.

Vergleicht man zusätzlich den Dopingmissbrauch der vier Wettkämpfe, ist folgendes festzustellen: Beim dem von uns am härtesten eingeschätzten Wettkampf, dem Ironman, liegt der Konsum von Doping bei 8%, wobei die am häufigsten genannten Substanzen gegen bronchiale Leiden sind. Wir gehen davon aus, dass der grösste Teil der Athleten für diese Mittel ein ärztliches Attest besitzt. Beim Graubünden Marathon gaben 4% an sie würden Dopingsubstanzen einnehmen. Auch hier waren es ausschliesslich Substanzen gegen Asthma.

Am Jungfraumarathon war nur eine einzelne Probe positiv, wobei diese, anders als bei uns, mittels Urinprobe festgestellt wurde. Am Bikemasters gab eine Person den Gebrauch von Dopingmitteln zu (Cannabis).

Man muss erwähnen, dass bei der von uns durchgeführten Studie keine Urinproben genommen wurden, was eine Vertuschung seitens der Athleten zulässt. Wir müssen also davon ausgehen, dass nicht 100% der von den Athleten gegebenen Antworten stimmen.

Zusätzlich sind die drei Wettkämpfe in der Länge und „Härte“ zu unterscheiden. Die Einnahme von Medikamenten war am Ironman um einiges grösser als beim Bikemasters oder beim Bündner Marathon. Dies könnte mit der Länge des Wettkampfes oder aber mit den körperlichen Belastungen zusammenhängen, ist die Belastung bei einem Bikewettkampf für den statischen Bewegungs-Apparat doch um einiges geringer als bei einem Laufwettkampf.

 

Vergleich mit dem Swiss Alpine Marathon von 2000

 

Am Swiss Alpine Marathon wurde 2000 eine Untersuchung mit 253 Athleten durchgeführt. Die Athleten wurden zufällig ausgewählt, wobei ein Drittel dieser Gruppe noch zusätzlich eine Urinprobe abgab. Das Resultat ist wie folgt ausgefallen: 11.5% der Untersuchungen gaben einen Gebrauch von Schmerzmitteln und Entzündungshemmern an (vgl. S. 23).

Im Vergleich mit dem Jungfraumarathon von 1998 und der von uns durchgeführten Untersuchung ist dieser Wert relativ niedrig, wenn man bedenkt, dass nur gerade das Bike Masters einen niedrigeren Wert hervorbrachte. Alle anderen Untersuchungen lagen über diesem Wert


 

Fazit

 

Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass 19% der Athleten einen Wettkampf unter Einfluss von Medikamenten absolvieren. Dies ist deshalb auch eine etwas alarmierende Zahl, weil angenommen werden muss, dass eine grosse Dunkelziffer besteht. Dies muss, auch bedingt durch die Art der Befragung (anonymer Fragebogen und keine objektiven Messungen wie Blut- oder Urinproben), zweifellos angenommen werden. Allerdings werden jedoch für die Gesundheit keine „gefährlichen“ Medikamente konsumiert, d.h. es wird nicht mit EPO, Anabolika oder anderen durch die Medien verbreiteten Substanzen hantiert, sondern es werden vor allem Mittel gegen Asthma und Schmerzen eingenommen. Selbstverständlich können aber auch diese Mittel, wenn sie in einem Übermass konsumiert werden, für den Körper eine Gefahr darstellen. Natürlich ist bei Spitzensportlern, auch beim Konsum von unerlaubten Substanzen wie EPO, die Gefahr der Gesundheitsschädi-

gung geringer, da sie meist ärztliche Betreuung erhalten.

Was hingegen „erleichternd“ ist, ist die Tatsache, dass viele Sportler zwar eine Bereitschaft zum Konsum von Doping angeben, dies aber mit der Gewissheit, dass die Gesundheit nicht zu Schaden kommt. Das Wohl des Körpers ist ihnen demnach ziemlich wichtig.

Wird ein Wettkampf trotzdem unter Einfluss von zum Beispiel einem Schmerzmittel absolviert, geschieht dies aus Gründen des Verhinderns von Leiden und wird nicht mit der Absicht einer Leistungsverbesserung konsumiert. Zudem nehmen wir an, dass allgemein das Wissen bei den Breitensportlern zu gering ist, damit sie Substanzen so einsetzen könnten, dass sie auch wirklich gezielt leistungsfördernd wirken.

 

Wie bereits schon erwähnt, nehmen 19% der Sportler Medikamente ein, um einen Wettkampf zu absolvieren. Diese Zahl ist einerseits relativ gross, andererseits aber auch nicht überraschend, wenn man die heutige Gesellschaftssituation betrachtet. Der Mensch ist grösseren Belastungen (z.B. Umwelteinflüssen), Anforderungen und Erwartungen ausgesetzt. Dies bedeutet für den Körper physisch wie auch psychisch eine grössere Beanspruchung. Von diesen 19% nehmen somit nicht alle Athleten Mittel ein um die Leistung zu steigern, sondern vor allem auch um alltägliche Leiden wie z.B. Asthmabeschwerden zu bekämpfen.

In der heutigen Zeit wird von einer Person viel erwartet, sei es nun in sportlicher wie auch in beruflicher Hinsicht. Eine „Niederlage“ wird weniger toleriert und alles ist viel „schnelllebiger“. Auch aufgrund dieser Umstände denken wir, dass der Gebrauch von leistungsfördernden Mitteln heute und in Zukunft ein Thema und Problem bleiben wird. Die Erwartungen steigen immer mehr und werden immer wieder aufs Neue übertroffen. Wir sind der Ansicht, dass nicht nur Prävention betrieben werden muss, sondern dass quasi auch ein Umdenken in unserer heutigen Leistungsgesellschaft stattfinden müsste. Allerdings ist dies natürlich ein gewaltiger Prozess, welcher kaum steuerbar ist und enorm viel Zeit beanspruchen würde. Das Einzige, was wirklich nützlich ist, ist die Sensibilisierung der (Sport-)Gesellschaft für diese Problematik.


 

Schlusswort

 

Wenn man die gesamten Resultate und Auswertungen betrachtet, ist davon auszugehen, dass in Zukunft vermehrt mit Medikamenten und Dopingmissbrauch im Breitensport zu rechnen ist. Überall dort, wo der Ehrgeiz über der persönlichen körperlichen Leistung steht, wird mit unerlaubten Mitteln hantiert. Um einem solchen Missbrauch entgegenzuwirken, müsste man, gleich wie im Spitzensport, strengere Kontrollen einführen, was allerdings mit immensen Kosten verbunden wäre.

 

Das Arbeiten an dieser Diplomarbeit hat uns viel Spass gemacht und uns einen Einblick in die Problematik des Dopingmissbrauchs im Breitensport ermöglicht. Wir haben gesehen, dass nicht nur im Spitzensport gemogelt wird, sondern auch im Breitensport, wo es um „nichts“ anderes geht als ums Prestige und das individuelle Erbringen von Leistungen.

 

Wir danken allen Athleten und Helfern, die zu dieser Diplomarbeit in irgendeiner Form einen Beitrag geleistet haben.

 

Vielen Dank