| Trainingspläne für Triathleten und andere Ausdauersportler |
Trainingspläne für Triathleten: Nur für Einsteiger?
Viele Ausdauersportler haben weder Zeit noch Lust sich intensiv mit
Trainingslehre zu beschäftigen. Auf der Suche nach einer schnellen,
preiswerten Lösung verspricht ein vorgefertigter Trainingsplan Abhilfe.
Diesen muss man ja schließlich nur stur runtertrainieren, dann ist man
gerüstet für jeden Wettkampf. Oder? Ich erinnere mich an mein erstes Semester an der Uni Konstanz. Nachdem mich die juristische Literatur im dunklen Untergeschoss nebst all’ den bleichen Jurastudentinnen auf Anhieb verschreckte, machte ich mich auf den Weg ans Licht in Richtung sportwissenschaftliche Literatur im Obergeschoss. Gerne würde ich an dieser Stelle davon erzählen, dass dort natürlich auch die heißen Sportstudentinnen unterwegs waren, doch die waren derweil am Strandbad beim Beachvolleyball. Statt Claudia oder Miriam traf ich also Mark Allen und Dave Scott. Die Bibliothek wies ein irrsinniges Repertoire an Trainingsliteratur auf. Kaum eines der durchaus auch älteren Bücher schien jemals gelesen. So schleppte ich alles was man mir mitgab und ich transportieren konnte in meinen WG-Hasenstall. Meine Ausleihedokumentation dürfte wohl auf einen Sportwissenschaftsstudent mit ab dem dritten Semester sporadischem Interesse für juristische Literatur hingewiesen haben (würde Google meine Affinitäten heute offen legen, die Parallelen wären verblüffend). So probierte ich mich durch Trainingspläne und Theorien, schrieb und bastelte eigene Pläne und trainiert doch meist anders, denn eines war und ist auch heute noch immer im Weg: das Leben. Ich betrachte vorgefertigte Pläne daher mittlerweile mit einer gewissen Ambivalenz. Einerseits können sie Ideen zum Training geben und dem blutigen Anfänger einen gewisse Orientierung. Andererseits spricht jeder Mensch anders auf Training an und aufgrund von Wetter, Krankheit oder anderen Umständen ausfallende Trainingseinheiten führen bei Plansklaven gerne mal zu tiefem Frust. „Trainingspläne für Triathleten“ von Gale Bernhardt las ich daher wie alle Bücher dieser Sorte im Hinblick auf zwei Kriterien: hilft es dem Anfänger ein wenig Struktur in sein Training zu bringen und kann der alte Haudegen noch etwas lernen? Um die Bürde der menschlichen Individualität etwas abzufangen, gibt Gale anfangs Ratschläge im Umgang mit ihren Plänen und geht auf in diesem Zusammenhang typische Probleme ein. Sie ist sich dabei nicht zu fein eine Studie zu erwähnen, gemäß welcher Probanden eines 20-wöchigen Trainingsplans sich zwar durchschnittlich um 33% verbesserten, sich aber die Einzelfälle auf der immensen Bandbreite von 5% bis 88% bewegten. Doch schiebt sie schnell den Hinweis nach, dass viele Athleten erfolgreich mit ihren Plänen trainiert hätten und auch die amerikanische „Triathlete“ immer wieder Anleitungen von ihr veröffentliche. Dass so mancher Sportler trotz und nicht wegen seines Trainings besser geworden und wir gleichzeitig nie erfahren werden, wo sein tatsächliches Maximum gelegen war, sollte jedoch im Hinterkopf behalten werden. Leider krankt auch dieses Buch wie schon die anderen Vertreter dieser Reihe daran, dass weder mutig eine präzise Beschränkung auf den im Titel versprochenen Bereich vorgenommen wurde, noch in konträrer Konsequenz ein umfassendes Nachschlagewerk, das die gesamte Palette abdeckt, gewählt wurde. Im Kern ist „Trainingspläne für Triathleten“ zumindest das, was es verspricht, nämlich eine Aufreihung von Trainingsplänen. Es beginnt mit dem Einsteigerplan für die Sprintdistanz und Plänen für Kurz-, Mittel- und Langdistanzler mit knappem Zeitbudget. Duathleten mit rad- oder laufsportlichem Hintergrund sowie Mountainbiketriathleten werden ebenso versorgt wie „Fitnessportler“, die gerne Abwechslung in ihrem Ausdauertraining haben. Warum letztere dann ausgerechnet einen „Plan“ brauchen sollten, erschließt sich mir nicht, liegt der Reiz des „Fitnesssports“ meiner Auffassung nach gerade in dessen Ungezwungenheit. Sodann kommt Leistung in Form von Plänen für Verbesserungswillige auf Sprint- und Kurzdistanz sowie Duathlon ins Spiel. Langdistanzler werden mit einem „Sub13“-Plan versorgt. Unter dreizehn Stunden ist durchaus als der nächste Schritt nach dem bloßen „Finishen“ anzusehen. Wer bislang noch nicht mit einem Plan bedient wurde, darf jetzt natürlich Hoffnung schöpfen. Und wird ziemlich sicher bitter enttäuscht. Ein Halbjahresplan für Mitteldistanz, ein solcher für Langdistanz und ein Jahresplan für Kurzdistanz – that’s it. Wofür soll das reichen? Wo, wenn nicht in einem Buch mit dem Titel „Trainingspläne für Triathleten“ wird eine Unterscheidung nach Leistungsklassen und/oder Trainingsaufwand gemacht? Ein einziger Plan für alle? Durchaus mag der Plan für viele funktionieren, aber hier wäre mehr Substanz geradezu zwingend gewesen, um nicht als pures Einsteigerbuch abgekanzelt zu werden. Was helfen Ernährungstips, Hinweise zu plyometrischem Training, zum Laufbandtraining oder Wettkampfchecklisten, wenn es Gale’s Buch am Essentiellen, nämlich Trainingsplänen fehlt? Dem ambitionierten Leistungssportler kann man von dieser Lektüre nur
dringenst abraten. Halte ich Trainingspläne generell schon für sehr
fraglich, so ist die vorliegende Umsetzung gerade mal für Anfänger lediglich
eine von unzähligen Möglichkeiten auf dem Büchermarkt, sich mit Triathlon
auseinanderzusetzen.
Quickfacts |
| Gelaufen: Asics Gel Noosa Tri 25th |
Asics Gel Noosa Tri 25th: Gut oder Gimmick?
Nachdem Triathlonschuhe überwiegend von kleineren Schuhherstellern
angeboten werden, kommt nun Asics als Schwergewicht der Branche mit der
zweiten Auflage seines Triathlonmodells auf den Markt. Nach einem
ausführlichen Test findet Ihr in diesem Beitrag unsere Einschätzung zu den
bunten Tretern. Asics Tri Noosa 25th anniversaryAsics versucht sich mit dem „Tri Noosa“ mittlerweile in der zweiten Generation an einem Triathlonlaufschuh. Die gelinde gesagt „auffällige“ Farbgestaltung scheidet die Geister in Liebhaber und Kopfschüttler, wird jedoch bei der nicht seltenen Spezies des extrovertierten und/oder narzisstischen Triathleten zweifelsohne seine Liebhaber finden. Wer einen langen Atem hat, sollte sich den Schuh zulegen und für 20 Jahre im Keller verschwinden lassen. Der „Noosa“ erscheint wie ein Zwitter aus zwei von Asics Erfolgsmodellen, dem Lightweight Trainer „DS Trainer“ und dem leicht gestützten Wettkampfschuh „DS Racer“, wobei scheinbar mehrere Elemente verschiedener Generationen kombiniert wurden.
Die Zunge und die Ferse sind mit besonders weichem Material ausgekleidet
Die grauen Pronationsstützen sollen das Einknicken des Fußes nach innen
vermindern
Fest sitzende Schnürsenkel und asymmetrischer Zuschnitt der Schnürung
Am Design des Schuhs scheiden sich die Geister
Hinzu kommen Attribute, die einen echten Triathlonschuh ausmachen sollen. So ist die Zunge dicker, um ein angenehmes Barfußtragegefühl zu ermöglichen. Zum selben Zweck wurde der Bereich um die Ferse mit einem angenehm weichen Material ausgefüllt, das Blasen und Hautabschürfungen vermeiden soll.
Für das Barfußlaufen konzipiert: Die Polsterung an Zunge und Ferse
Die standardmäßig verbauten Schnürsenkel sind erstaunlich rutschresistent. So wird das An- und Ausziehen zwar etwas erschwert, aber einmal angepasst rutscht und wackelt nichts mehr, insbesondere da das letzte, fakultative Loch sehr tief liegt. Schade, dass diese Schnürsenkel nicht im gesamten Asicsprogramm zum Einsatz kommen. Ich überlege bereits, mir diese an meine Wettkampfschuhe Asics Hyperspeed 2 zu montieren.
Wird mitgeliefert: Elastische Schnürsenkel samt Schnellverschlüssen
Warum diese Senkel jedoch ausgerechnet an einem Triathlonschuh enden und wie diese sich mit einem schnellen Wechsel vertragen sollen, bleibt wohl Asics’ Geheimnis. Doch keine Bange, dem Schuh sind zusätzlich flexible Gummibänder im dezenten Neongelb inklusive Schnellverschluss beigelegt, die einen flotten Wechsel ermöglichen.
Apropos Schnürung: diese verläuft auf dem Schuh vorne leicht nach innen. Der tiefere Sinn dafür blieb mir leider verborgen, vielleicht sorgt es tatsächlich für einen besseren Halt. Oder es soll schlicht zu einem gefälligeren Design verhelfen.
Die Schnürung aktueller Asics Modelle verläuft zur Großzehe hin
Um einen subjektiven Praxistest einordnen zu können, sollte eine grobe Vorstellung bezüglich der Charakteristika des Testers bestehen, sind Laufschuhe doch eine sehr individuelle Angelegenheit. Ich laufe seit nunmehr zwölf Jahren und begann wie die meisten Läufer mit eher schweren Schuhen, u.a. Asics-Modellen aus der 1000er und 2000er Serie. Mit zunehmenden Kilometern und daraus resultierender verbesserter Laufökonomie, insbesondere dem Wechsel vom Rück- zum Mittel-/Vorfußlaufen, hat sich die Wahl meines Schuhwerks zunehmend in Richtung Lightweight Trainer für jegliches Training und Racer für Bahn, Schlamm und Wettkämpfe verändert. War ich anfangs auf eine Pronationsstütze (Verhindert ein zu starkes Abknicken des Fußes nach innen) angewiesen, komme ich mittlerweile auch mit gänzlich neutralen Schuhen zurecht und kann quasi jeden Schuh problemlos laufen. Konsequenterweise laufe ich daher eher leichte Schuhe, da krasse Dämpfungen und Führungen eher hinderlich sind. Folgende Lightweight Trainer habe ich in letzter Zeit malträtiert:
Als Wettkampfschuhe kamen zum Einsatz:
Marathon laufe ich im Bereich +/-2:40 und im Ironman 3:0X bei 50-130 Wochenkilometern. Da mir die aggressive Farbgebung des „Noosa“ nicht gefällt, steuerte ich bei meinem ersten Lauf im irischen Dauerregen direkt die matschigen Fussball- und Rugbyfelder an. Das ist natürlich für den Test dieses Schuhs nicht fair, da dessen Einsatzzweck wohl auf der Strasse respektive leichtem Schotter zu suchen ist, doch da müssen fast alle meiner Schuhe durch. Auf den ersten Metern macht sich gleich die doch recht straffe Seitenführung des Schuhs bemerkbar, die ich als nicht unangenehm wenn auch entbehrlich empfinde. Sie dürfte vor allem in Langdistanztriathlons den eher weniger effektiven Läufern zu Hilfe kommen. Zudem spürt man eine leichte Vorbiegung des Schuhs, die wohl das Abrollen erleichtern soll, was mir ebenso weder hilft noch mich stört. Die DämpfungDie Dämpfung kann als hart bezeichnet werden, wie das bei einem Wettkampfschuh auch sein sollte. Sie ist härter als beim DS Trainer, egal welcher Generation (da wechselt man seitens Asics über die Jahre immer wieder mal die Härtegrade), aber einen Tick weicher als beim Racer. Schade aber, dass sich diese Einsparung bei der Dämpfung nicht auf der Waage bemerkbar macht, denn der „Noosa“ wiegt laut Asics genauso viel wie ein DS Trainer. Im Vorfußbereich ähnelt er eher dem DS Racer, sowohl was Dämpfung als auch Breite angeht. Der Schuh lädt dazu ein, Tempo zu machen. Etwas enttäuschend ist die Haftung des Vorfußes auf nassem Asphalt bei Geschwindigkeiten südlich von 3:45min/km. Die bei verschiedenen Asics über die Jahre immer wieder zum Einsatz kommenden „Noppen“ verrichten hier viel bessere Dienste.
Zwiespältiger Eindruck: Die Sohle des Ascis Gel Noosa Tri
Löcher in der SohleDafür zeigt der Regentest, dass die drei unter der Sohle angebrachten Löcher tatsächlich durchlässig sind, tritt hier das Wasser doch als erstes in den Schuh. Demnach sollte es auch in die angedachte andere Richtung – als Abfluss von innen nach außen – funktionieren. Der Nutzen dieser Löcher als Abfluss wird durch das von außen eindringende Wasser leider wieder zunichte gemacht. Profitieren könnte man also theoretisch dann, wenn der Schuh von oben nass wird, wie dies beispielsweise beim Abkühlen des Körpers mit Wasser der Fall sein kann. Persönlich würde ich einen geschlossenen Schuh vorziehen, aber das ist wohl Geschmacksache.
Löcher in der Sohle: Lässt Luft an die Füsse, leider auch Wasser
Zu Hause angekommen erschien mir der „Noosa“ beim Ausziehen relativ schwer, da ziemlich aufgesogen mit Wasser. Das können echte Wettkampfschuhe mit weniger Obermaterial besser. Gut bei TempoläufenIm Rahmen meiner Marathonvorbereitung lief ich den „Noosa“ bei Tempoläufen, wofür er sehr gut geeignet war (insgesamt 130km in drei Wochen). Ich finde den Schuh direkt, subjektiv „schnell“ und ansprechend leicht für diesen Trainingseinsatz. Im abschließenden Barfusstest (45 min. locker) bekam ich keine Blasen, doch solange die Füße trocken sind, habe ich in dieser Richtung selten Probleme. Eine Integration der Zunge in das Seitenmaterial des Schuhs, um potentielle Reibungen in diesem Bereich zu vermeiden, fehlt aber ebenso wie seltsamerweise auch eine Schlaufe oberhalb des Fersenteils, um als Einstiegshilfe zu dienen. Die guten Ansätze in Richtung triathlonspezifischer Schuh erscheinen somit ein wenig halbherzig. Das Aussehen wurde von meinen Mitläufern ausschließlich negativ beurteilt, wobei es sich ausnahmslos um reine Läufer handelte. Neben dem Verzicht auf Schokolade riet mir ein Laufkollege noch dazu, diesen Schuhen zu entsagen, sollte ich eine neue Marathonbestzeit anstreben. Ein anderer sagte nur „add compression socks to this…“, ein Dritter schlicht „Fugly“ (neuenglische Wortkreation aus zwei Wörtern). Für wen ist der Schuh also geeignet? Es gibt zwar langsame Läufer, die auch den Ironman problemlos in leichtesten Wettkampfschlappen bewältigen und auf der anderen Seite Profis wie Thomas Hellriegel, den man schon mal in 2000er Asics in Kona sieht. Diese sind jedoch in der klaren Minderheit und müssen meine folgenden Einschätzungen entsprechend distanziert betrachten. Für die große Mehrheit versuche ich jedoch folgende subjektive, ungefähre Klassifizierung vornehmen, um einen groben Hinweis zu geben. Eher geeignet für:
Weniger geeignet für:
Bei Fragen stehe ich im Forum gerne zur Verfügung. Über den Autor |
| Lauftraining für Triathleten |
Empfehlenswert: Lauftraining für Triathleten
Die Laufdisziplin ist im Triathlon zweifelsohne zumeist entscheidend.
„Lauftraining für Triathleten“ versucht diesem Umstand gerecht zu werden und
widmet daher dem dritten Wettkampfteil ein eigenes Buch. Wie jeder weiß, der einmal an einem Triathlon teilgenommen hat, unterliegt Laufen im Triathlon anderen Gesetzen als das reine Laufen. Doch wie schafft es der Autor diese spezifischen Aspekte umzusetzen, suggeriert doch der Untertitel „und für Marathonläufer“ bereits vorab, dass das Unterfangen nicht wirklich gelingen mag und sich der Autor zur Sicherung relevanter Umsatzzahlen auch der großen Läufermasse beugt. Handelt es sich also um das x-te Laufbuch in anderer Verpackung? Und wer braucht überhaupt ein separates Triathlon-Laufbuch? Ließe sich das nicht passender in ein umfangreiches Triathlonbuch integrieren? LaufstilOftmals hört man, dass Laufstile individuell seien, man eben als Fersenläufer geboren sei und auch manche Spitzenläufer durchaus seltsame Eigenarten pflegten. Doch Autor Ken Mierke hält sich damit nicht lange auf und macht klar, dass es einen guten und viele schlechte Laufstile gibt. Er erläutert prima nachvollziehbar die Vorzüge einer sauberen Körperhaltung, der 180er Schrittfrequenz und des Vorfußlaufens. Eine klare Strukturierung des Buches lässt sich auf Anhieb zwar nicht erkennen, doch stört dies den Lesefluss keinesfalls. Wer bislang Fersenläufer ist und sich mit den (daraus resultierenden) verschiedensten Zipperlein herumschlägt, dem sei schon allein wegen des ersten Kapitels der Kauf des Buches nahe gelegt. Und es geht hilfreich weiter: „Effizientes Laufen am Berg“ ist für all’ diejenigen, die bergab bremsend unterwegs sind und damit unnötig Kraft und Tempo auf der Strecke lassen. Knapp aber fundiertIm eigentlichen Trainingsteil kommt dann erstmals die Krux eines Laufbuches für Triathleten zum Tragen. Durch die Überschneidungen mit den anderen Disziplinen wirkt vieles einerseits angerissen, andererseits für ein Laufbuch unpassend. Zweifelsohne sind aber auch diese Kapitel gut und sehr fundiert geschrieben, was ein wenig darüber hinwegsehen lässt. Im dritten und letzten Teil scheint unter „Weitere Aspekte der Vorbereitung“ alles reingepackt worden zu sein, was von Relevanz sein könnte. Auch hier fehlt es an einer klaren Struktur, doch gibt es viel zu lesen und lernen. Fast schade, dass das gesamte Wissen nicht in ein ultimatives Triathlonbuch gepackt wurde. So werden Wiederholungen in den auch erhältlichen Schwimm- und Radvarianten der Buchserie kaum zu vermeiden sein. Besonders gefallen hat mir im letzten Teil das Kapitel zur optimalen Erreichung des Wettkampfgewichts, das ohne platte Versprechen oder Schnörkel, aber mit viel praktischen Tipps und Hinweisen daherkommt. Auch die vom Autor bevorzugte Variante des Krafttrainings für Triathleten ist überzeugend. Abwechslungsreiche Koppeltrainingsprogramme runden das Angebot ab und lassen eher überflüssige Kapitel vergessen. FazitEin Buch, das ich Athleten empfehlen kann, die sich gerne etwas tiefer
mit der Materie beschäftigen, offen für Neues sind und keine Amerikaphobie
hegen. Da es sich um ein Buch für Jedermann handelt, werden erfahrene
Athleten zwangsläufig weniger profitieren, doch auch diese sollten hier und
da noch den einen oder anderen Tipp finden. Gut zwanzig Euro haben die
meisten Triathleten schon schlechter angelegt, bedenkt man wie viel Geld aus
triathletischen Reihen im Rachen der Nahrungsergänzungsmittelindustrie
verschwindet. Mein derzeitiger Schützling auf dem Weg Richtung „Sub 10“ in
Roth bekommt jedenfalls als Trainingslagerlektüre ein paar Kapitel des
Buches verpasst. |
| Test Kompressionssocken: CEP Running O2max |
Kompressionssocken von CEP
Ob ich Angst habe, schwul zu werden, wenn ich CEP Socken testen würde,
fragte mich Arne. Klare Antwort: Ja. Aber um vorweg das erste Testergebnis
zu bieten: ich bin es nicht geworden. Gewisse Vorsichtsmassnahmen hatte ich
natürlich sicherheitshalber getroffen. Kniestrümpfe zum Laufen? Nein, also den Blödsinn fang’ ich gar nicht an. Dabei sehe ich am Ende eines jeden Bürotages rund um die versumpften Knöchel aus wie eine alte Hausfrau. Manch einer mag einwerfen, dass eigentlich nicht nur die Knöchel, sondern auch das Gesamtbild betroffen seien, aber das lassen wir hier mal dahingestellt. Tatsache ist, wer Kompressionstrümpfe trägt, dessen Knöchel saufen nicht ab. Dieses „Versaufen“ ist ja kein allein optischer Makel, sondern durchaus auch vom Befinden her nicht optimal. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass es mich richtiggehend stört, aber wenn dem abgeholfen werden kann, warum nicht? Dennoch, es ist nicht schlimm genug, als dass ich jetzt täglich diese einengenden Kniestrümpfe trage, aber es gibt drei Ausnahmen, bei denen derlei „Gesocks“ nun seit ein paar Jahren bei mir zum Einsatz kommt. Zunächst sind dies (Langstrecken-) Flüge. Ich möchte meine Presswürste (die Socken, nicht die Beine) nicht mehr missen, habe quasi keine geschwollenen Beine, egal wie lange der Flug dauert. Und der kann ja nicht zuletzt bei uns Triathleten ziemlich lange dauern. Zweitens trage ich die Socken ab und an, wenn ich nach einem langen Lauf zu Hause angelange und als unmittelbar nächstes Highlight des Tages Spazierengehen, Bummeln oder gar Shoppen ansteht (alles rein freiwillig natürlich). Dabei trage ich die Socken nicht, um beim Kauf kurzer Hosen einen besonders einfältigen Eindruck zu machen - das gelingt mir auch so ziemlich gut -, sondern um das schwere-Beine-nach-dem-Lauf-Syndrom zu bekämpfen. Ich bilde mir ein, dass es sogar ein wenig klappt. Drittens bin ich nun auch schon seit fast fünf Jahren 29, glaube trotzdem noch immer so unverwundbar zu sein wie mit 25 und gönne mir deshalb – natürlich nur zu Testzwecken – durchaus einmal 500 Laufkilometer in vier Wochen. Um die daraus resultierende Wadenverhärtung zu bekämpfen, schlüpfe ich in die Kompressionssocke (einseitig!) und verspreche mir bessere Durchblutung der betroffenen Wade. Auch hier: Ich glaube, es hat was gebracht. Doch sich heimlich in diese Dinger reinzuwürgen und sie sodann beschämt unter langem Beinkleid verschwinden zu lassen, ist die eine Sache. Aber Arne will mehr: Das Tragen der Socken beim Sport. Alle reden immer vom Laufen, aber wir Triathleten können uns zwei Steigerungsformen ausmalen. Kompressionssocken auf dem Rad und – jetzt kommt’s – beim Schwimmen. Jeder Leser stellt sich nun einen vom Winter ausgebleichten Triathleten in Badehose (Speedo!) mit Kniestrümpfen vor. Man hat es als Deutscher im Ausland bekanntermaßen nicht leicht, aber als Deutscher Triebtäter im Ausland stelle ich es mir noch ein wenig schwerer vor. Die Kompressionssocken müssen aus dem Schwimmbad wohl draußen bleiben. Ich habe noch ein paar Monate hier in Irland vor mir. Also auf dem Rad? Ich bin ja als Radrennfahrer groß geworden, in einer Zeit, in der man noch Rahmen aus Columbus SL fuhr – die Poser fuhren SLX – und eine Rahmenschaltung bediente, deren Rasterung ein bahnbrechende Neuheit darstellte. Radhosen waren schwarz und Socken weiß und kurz. Man hat ja Prinzipien. Laufen mit Kniestrümpfen also. Hier in Irland ist es ja selten richtig kalt, womit die Möglichkeit diese Undinger unter einer langen Laufhose zu verstecken ausscheidet. Und meine Morgenläufe sind mittlerweile auch wieder teilweise bei Helligkeit. Also im Halbdunkel bei Straßenbeleuchtung mit Strümpfen durch die Gassen huschen? Der Ire ist ja ein lustiger Zeitgenosse, aber eigentlich doch ziemlich konservativ. Männer sind hier noch Männer, spielen also Rugby. Man mag sich kaum ausmalen welchen psychischen Qualen Sean Kelly ausgesetzt war, als er in engen Radlerhosen über das Land radelte. Ich komme mir schon wie eine Tunte vor, nur weil ich ab und zu „tights“ trage. Ach, weg mit all’ der Eitelkeit und Unsicherheit, ist schließlich eine Großstadt, juckt doch niemanden, wie ich mich hier zum Affen mache. Und überhaupt, wer sieht mich denn? Also, Mut zusammen und los. Halt, eine Ausnahme noch: Das club training. Echte Läufer also, keine Jogger, sondern leichtfüßige, affenschnelle Mittelstreckler. Da ist zum Beispiel Eugene, dessen Prügelknabe ich ab und zu spielen darf. Irischer Meister über 3.000 Hindernis, die Meile in vier Minuten – youknowwhatImean. Der läuft ohne Socken und macht sich so oder so schon über mich Dickerchen lustig. Noch mehr Häme ertrage ich echt nicht.
Unter Triathleten auf dem Vormasch: Socken von CEP
Schon beim Auspacken fühlen sich die CEPs besser an, als meine Schweizer Klinikvariante. Darf man das aber nicht eigentlich für den doppelten Preis erwarten? Knapp 50 Euro sind doch eher happig. Ich hoffe vor allem, dass auch das Anziehen etwas leichter fällt. Und so ist es dann auch. Der Triathlet wird aufatmen, zumindest beim Ironman scheint das Anziehen der Socken in der zweiten Wechselzone eine Erwägung wert. Persönlich vermute ich noch immer, dass der dadurch erlittene Zeitverlust etwaige Vorteile mehr als auffrisst, wenn man denn überhaupt ohne Wadenkrämpfe die guten Stücke angelegt hat. Aber nun gut.
Nicht wirklich unangenehm fühlen sich die Socken dann am Bein an. Die Zehen werden nicht eingeklemmt, wie ich das bisher kannte. Jetzt aber los. Wusste ich es doch, schaut eh’ keiner. Halt, hat die da drüben gerade…? Und der Typ mit Hund…? Paranoia pur. Ich schalte alle negativen Gedanken aus und höre in meine Waden. Nichts. Fühlt sich an wie immer. Weiter. Wieder reinhören. Gleichgültigkeit schallt zurück. Ein Durchschnittstag bei Durchschnittswetter (Starker Wind, viele Wolken, ein wenig Regen, aber auch Sonne) und Durchschnittstraining (90 min. locker bis flott). Bis zum Schluss nichts zu spüren als den ein oder anderen peinigenden Blick. Schnell wieder rein ins Haus, durchs Treppenhaus gesprintet, in die Wohnung, Türe zu. Durchatmen. Wieder Reinhören in die Beine. Nichts. Zumindest nichts, was da nicht sonst auch nach einem solchen Lauf ist. Der Arbeitstag plätschert dahin, nichts passiert. Am nächsten Morgen raus zum nächsten Lauf, wieder wie ein Mitteleuropäer mit kurzen, weißen Socken bekleidet. Wieder lausche ich in meine Waden. Ein weiterer Durchschnittstag mit Durchschnittswetter und Durchschnittstraining (60 min. lockerer Lauf). Alles wie immer. Eine Langzeitstudie kann ich nicht bieten, doch deren Nutzen ist bei nur
einer Testperson ohne Kontroll- und Gegenkontrollgruppe so oder so eher
fraglich. Es bleibt für mich die Erkenntnis, die ich schon vor ein paar
Jahren hatte. Kompressionssocken dürfen im Flieger, als
Regenerationsmaßnahme und zur Unterstützung der Verletzungsheilung an die
Wade. Wer will, kauft dafür dann den Socken-Mercedes von CEP anstatt im
Sanitätshaus den Japaner zum halben Preis. Aber ein Muss sind die Dinger
ganz sicher nicht. |











Quelle: Spiridon
Quelle: Spiridon

Quelle: Spiridon


Quelle: Spiridon

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EMBRUNMAN
"Form kommt und geht, Klasse bleibt."
Jens Voigt, Radprofi

3,8 km Schwimmen - 188 km Rad - 42,2 km Lauf
Gesamthöhenmeter: 4.800
Höchster Punkt: Col del'Izoard, 2.360 m
Dem anspruchsvollsten Rennen
der Welt über die Ironmandistanz gebührt eine eigene Seite! Am 15. August 2003
werde ich zum zweiten Mal
Embrunman: „Mythos.“ „Wahnsinn...“ „Em-
was?“, „Der geilste Ironman.“
Wo immer man dieses Zauberwort unter Triathleten in
die Runde wirft, irgendeiner bekommt immer glänzige Augen. „Und dann dieser
letzte 14%er, nachdem du schon fast viertausend Höhenmeter in den Keulen hängen
hast. Ich sach’ dir Alter, nich’ normal!“ Oder: „Die Schwimmstrecke? Ja,
die is’ flach, aber wenn die da einen Berg einbauen könnten, sie würden’s
tun...“
Schämt Euch Ihr Unkundigen, die Ihr nichts über den
Embrunman wisst! Das ist schliesslich ein Rennen, bei dem man gewesen sein - ja
es ist so - MUSS. Roth? Ganz nett mit all’ den Zuschauern. Hawaii? Hübsch,
sind alle da. Aber Embrun...
Der Embrunman wird 2003 stolze 20 Jahre alt. Grund
genug, um eine kleine hommage an den härtesten aller Ironman zu schreiben. Und
hoffentlich bietet es Anstoss für den einen oder anderen auf der Suche nach
einer Herausforderung. Der zehnte flache Ironman bringt’s nicht mehr? Zuviel
Windschattenfahren? Finishen ist nur noch ‚nett’, das ‚feeling’ vom
Anfang aber ist irgendwie verblasst? Ihr könnt das ewige ‚Aloha’ nicht mehr
hören? Lest weiter...

3.800 Höhenmeter. Col de l’Izoard, 2.360m über
Meer. Das sind die Eckdaten der Radstrecke. Klingt nach Tour de France? Ist auch
so ähnlich. Ok, wir Triathleten Schwimmen noch ein wenig vorweg und Laufen ein
bissl hintendrauf. Aber der Reihe nach.
Embrun liegt 800m hoch am grössten Stausee der Alpen
in den französischen ‚Alpes Maritimes’. Ein kleines Städtchen, eine
Mischung aus Provence und Alpen. Schneebedeckte 4000er und Kräuterdüfte
gleichzeitig. Dazu ein Café au lait plus Croissant... Im Sommer wird’s richtig schön warm, da geht’s
im August schon mal deutlich über die dreissig Grad. Aber alpentypische
Wetterkapriolen sind nicht ausgeschlossen. Dennoch: Embrun verzeichnet 300
Sonnentage im Jahr!!! Und bitte eines vorweg: die Aussprache ist wichtig.
Deutsch ausgesprochen klingt Embrun mehr nach einem Rindviech (nein, nicht ‚Ebru’).
Auf Französisch aber... hach...
Ca. 900 mehr oder wenig verrückte Triathleten pilgern jedes Jahr am 15.08. (Fixtermin) nach Embrun. Und – jawohl! – auch ‚Big-four-member’ Scott Molina steht schon in der Siegerliste. Mark Allen gewann Ende der 80er an derselben Stelle einen Kurzdistanz-Weltcup. Aber die Ironmandistanz? „Nein Danke, zu hart.“, soll er bloss gesagt haben. Egal, dafür sind ja wir da.
Gerald Iacono heisst der umtriebige Organisator des
Embrunman. Schon oft stand das Rennen vor dem Aus. Monsieur „Embrunman“ war
am Ende seiner Motivation angelangt, wollte das Mammutrennen nicht mehr
organisieren. Totgesagte leben aber eben länger. Als Iacono im Gespräch war,
in Frankreich einen ‚offiziellen’ Ironman auszurichten – es gab bis
Gerardmer 2002 keinen anderen nennenswerten Ultra auf der anderen Rheinseite -, war sein
Kommentar kurz und aufrichtig: „WTC? Alles Verbrecher.“ Und heute gelingt es
ihm insgesamt stolze 76.000 € auf die Top6-Finisher zu verteilen! Startgeld?
100 €.
Die Schwimmstrecke ist ein unspektakulärer
Zwei-Runden-Kurs im Lac du Serre Poncon. Genauer gesagt im durch einen Damm vom
Hauptsee abgetrennten Teil. Das garantiert Temperaturen von über 20°.
Unspektakulär? Nicht ganz. Der Start ist schon um 6 Uhr. Und da ist es in den
französischen Alpen Mitte August schlicht und einfach noch stockdunkel. Ist mal
was anderes, erleichtert die Orientierung aber nicht unbedingt.
188 km misst die Radstrecke. 400m flach aus der
Wechselzone, schon geht’s bergauf. Und zwar richtig – fast 20 km! Ist aber
eigentlich nur zum Warmfahren. Nach dem ersten Gekraxel, während sich die Sonne
über die Alpengipfel schiebt und man die technische Abfahrt hinter sich hat,
geht’s wieder zurück zum See. Man kann bei Km 40 nochmals schnell die Anhängerschaft
grüssen, ehe man die lange Reise zum Col de l’Izoard antritt. Das kleine,
aber hübsche Nebensträsschen schlängelt sich oberhalb der Durance Richtung
dem auf eintausend Meter Höhe gelegenen Guillestre. ‚Gewöhnungsbedürftiger’
Strassenbelag und kleine Rampen zerren schon früh weiter an den Schenkeln. Die
Fahrt führt von Guillestre aus gut 15km durch ein imposantes Tal mit
atemberaubenden Schluchten und dunklen Felstunnels. Dann der eigentliche Anstieg
zum Col de l’Izoard. Der ist ein echter Tour de France-Klassiker, 1000 Höhenmeter
auf ca. 12 km. Verkehr gibt’s kaum, am Wettkampftag ist die Strasse gar grösstenteils
gesperrt. Zuerst geht’s an Wiesen und Weiden vorbei, dann durch das Dörfchen
Arvieux auf einer fies-steilen, 2 km langen Gerade mit zweistelligen
Steigungsprozenten. Auf 1600 Meter Höhe dann nochmals Wald mit Kehren, richtig
erholsam flach ist es nie. Und auf 2000 Meter führt die Strasse dann plötzlich
durch die Mondlandschaft der ‚Casse Desert’. Bei der dünnen Luft da oben
erkennt man das am Strassenrand aufgestellte Monument für einen Radrennfahrer
vergangener Tage kaum mehr. War es Coppi? Oder doch Rivale Bartali? Oder beide?
Egal, im Juli 2003 werden sich die aktuellen Heroen des Radsports bei der französischen
Schleife dort wieder hochplagen. Sogar der Giro hat schon kleine
Auslandsabstecher zum Izoard hinter sich (zuletzt 2001), die
Strassenbeschriftungen lassens erahnen.
Kurz unter dem Gipfel stehen unsere Fans gar Spalier.
Da kommt Freude auf! Aber mies kühl kann es auf beinahe 2.400 Meter auch im
Hochsommer schon sein. Bei meinem Start 1997 wurden oben aber stolze 20 Grad
gemessen, so dass ich mich gar im ärmellosen Radtrikot in die Abfahrt stürzte.
Und dass 20 Grad auf 2.400 Meter später beim Marathon beinahe 35 Grad bedeuten
würden, war mir zu der Zeit noch
nicht bewusst. Apropos Abfahrt: Steuerkünste waren damals gefragt auf dem
holprig-miesen Asphalt. Die schon müde Muskulatur musste auch noch zusätzliche
Haltearbeit leisten. Doch heute ist es anders. Im Juli 2002 war ich mal wieder
trainingstouristisch auf dem Col – perfekt neu aspahltierte Abfahrt! Wer nach
130 Radkilometern unten im Tal in Briancon angekommen ist und glaubt, dass es
von da an entlang dem Fluss „Durance“ nur noch abfallend zurückgeht, der
irrt. Um der Hauptstrasse auszuweichen, geht’s wieder auf kleine
Nebensträsschen.
Und dort warten noch einige Überraschungen. Unter anderem ein 2 km langer
20%er. Da ist bei manchem Teilnehmer schieben angesagt. Doch all das (Rad-)Leiden
hat ein Ende. Wer bei Km 178 durch Embrun rollt und den Streckensprecher über
die Lautsprecher vernimmt, wähnt sich zuhause. Aber vorerst
darf man die Heimat nur schnüffeln. Der Embrunman wäre nicht der
Embrunman, wenn es nicht kurz vor der Wechselzone nochmals rechts abginge,
bergauf. „Chalvet“ heisst das Übel, ein Dörfchen oberhalb Embrun. 5 km mit
bis 12% müssen nochmals erklommen werden. Dann ist’s aber endgültig
geschafft. Wobei ich anmerken muss, dass für mich der schwerste Teil der
gesamte Strecke die Schlussabfahrt war. Ich war muskulär und energetisch so
fertig, dass mich die Haltearbeit auf den kurvigen Strässchen mit schlechtem
Belag beinahe überfordert hätte. Ich kann mich an zwei ‚Fast-Stürze’
erinnern.
Wem das jetzt zu brutal klingt, dem sei folgendes
gesagt: sicher, bergfest sollte man auf dem Rad in jedem Fall sein. Aber es geht
ja nicht 186 km bergauf. Die Abfahrten sorgen auch für Erholung. Hart ja, aber
für gut trainierte in jedem Fall machbar.
(Als Anhalt Radvergleichszeiten von mir:
flacher Ironman (Brasilien): 4:50h
Lanzarote: 5:30h
Embrun: 6:30h)
Der Lauf. Da verschwomm vieles im Halb-Delirium. Aber
auch hier konnte ich letzten Sommer meine Streckenkenntnisse wieder auffrischen,
indem ich die Laufstrecke nochmals nachgerannt bin. Zwei Runden sind zu
absolvieren. Dabei ist das Aufstehen vom Holzstühlchen, das neben jedem Rad in
der Wechselzone steht, schon echte Willensanstrengung. Zuerst geht’s flach
eine Runde um den kleinen Teil des Sees, in dem morgens geschwommen wurde. Dann
vom See unten hoch nach Embrun, das ein wenig über dem ganzen Tal thront. Das
ist dann schon mal wieder eher gemein, 10% steil und einfach nur hart. In Embrun
weiter hoch durch das Hauptfussgängergässchen vorbei an Cafés und Souvenirläden.
Endlich oben angekommen zeigt sich, dass bergablaufen unangenehmer sein kann,
als hoch, wenn man dicke Beine hat. Wieder unten ‚rollt’s’ erst einmal
flach auf einer Wendepunktstrecke „en Durance“, also an dem Fluss Durance
(„endurance“ = Ausdauer ;)). Danach wird’s wieder unangenehm wellig auf
einem kleinen Nebensträsschen an Campingplätzen, Chalets und Wohnhäusern
vorbei. Eindeutig der härteste Abschnitt der gesamten Laufstrecke. Wenn’s
heiss ist, schmilzt hier der Teer. Kein Scherz.
Zurück am See ist die Laufrunde absolviert und spätestens
jetzt fragt man sich, ob gar die Laufstrecke härter als die Radstrecke ist. Nur
noch 'ne zweite Runde und dann ist es geschafft.
Der Embrunman ist einfach ein Wettkampf, den man sich
für sich selbst verdienen muss. Da gibt’s kein Schummeln, kein „Glück
gehabt“. Ich war selten so zufrieden mit meiner Leistung wie dort.
Platzierungen sind Nebensache. Denn wer nicht mindestens eine Zeit von 8:45h bei
flachen Ironman draufhat, der braucht sich auch keine Gedanken wegen des
Preisgeldes zu machen. Die Landschaft? Ist zwar subjektiv, aber: ich war in
Neuseeland, Kona, California, Arizona, Brasilien, Engadin, der Toskana und
sonstwo. Nirgendwo ist es im Hochsommer SO schön wie dort!
Mein Kumpel Patrick formulierte es so: „Ironman
Lanzarote, so ein Rennen kannst Du jedes Jahr machen. Ist zwar hart, aber in 365
Tagen hast Du die Schmerzen locker vergessen. Embrun ist anders. Das brennt sich
ein. Da ist maximal ein Zweijahresturnus möglich. Die Schmerzen hast Du nicht
so schnell mal über den Winter vergessen.“
http://perso.wanadoo.fr/jb.oury/embrunmanen.htm
Aber halt! Embrunman muss nicht gleich sein? Aber so
ein wenig Col de l’Izoard zum Antesten wäre nicht schlecht? Das würde als
Erstes mal genügen?
Am 06.07. gibt’s ein Radrennen über 136km in Serre
Chevalier über den Izoard und zum Col du Granon hoch. „La Luc Alphand“
nennt sich das ganze nach dem franz. Ex-Skiabfahrer, der als Schirmherr und
Mitradler fungiert. Und noch einer war 2002 dabei: Claudio Chiappucci (siehe
Bild)!
Mehr Infos:
http://www.ot-serrechevalier.fr/ete/presseete/liens/serrlucal.htm
sechs 2.000er - 8.100 Höhenmeter - 330 km - 1 Tag
Alpentagestour

Albula (2.312 m), erster Pass
Seit fast zwei Jahren jagt mir das Race Across The Alps (RATA) - ein Rennen über 525 km und 12.000 Höhenmeter - durch's Hirn. Der dahinterstehende organisatorische Aufwand hat mich bislang davor zurückgeschreckt teilzunehmen. So benötigt man ein Begleitfahrzeug mit mindestens zwei Fahrern und einen dritten Fahrer der als Aufpasser bei einem anderen Team mitfährt. Ich wüsste nicht wem ich das eine (stundenlages Gefahre in lahmsten Tempo) noch das andere (wie zuvor nur zusätzlich im Auto eines Wildfremden) zumuten könnte und wollte. Vielleicht findet sich tatsächlich eines Tages jemand.
Die Idee des Rennens, mal so 'ne richtig fette Alpentour noch jenseits der langen Marathons à la Ötztaler durchzuziehen, gefällt mir jedoch bestens. Neben dem organisatorischen Aufwand stört mich am RATA jedoch auch die Nachtfahrt. Das hat sicher seinen Reiz, wie ich vor zehn Jahren bei unserer Tour von Paris nach Tübingen über 650 km nonstop erfahren konnte (andere Geschichte), setzt aber wieder ein ungemein höheren Aufwand voraus. Ohne Begleitung ist das nicht machbar. Das Ziel muss also lauten: soviel grosse Pässe wie bei Sonnenlicht an einem Tag möglich. Heraus kam dabei folgendes:

Die Strecke ist angelehnt an das RATA. Man könnte
natürlich die Gammastockrunde (Susten, Grimsel, Furka) oder gar Nufenen -
Gotthard - Furka mehrfach befahren. Bei letzterer Runde kämen auf drei Durchgängen
300 km und ganze 10.000 Höhenmeter
zusammen! Sicherlich ein Gedanke für die Zukunft wert, aber dieselbe Runde
mehrfach will ich nicht befahren. Deshalb die Ostalpenrunde mit ein paar echten
Klassikern von Giro und Tour de Suisse. Bis auf den Gavia und den auf dem Plan
stehenden Südwestanstieg des Stelvio bin ich mit den Pässen bestens vertraut.
Sie gehören alle zum Schönsten, was die Alpen zu bieten haben! (z.B. rechts,
Passhöhe Bernina, 2.328m)
Den Tag der Tour werde ich kurzfristig festlegen. Das Wetter muss perfekt sein und spätestens Ende, besser Mitte Juli muss die Sache gelaufen sein, danach wird's mit der Helligkeit kritisch. Versorgen werde ich mich von der Hand in den Mund in den Talorten, echte Pausen sind nicht eingeplant. Ich rechne damit, die Strecke ohne Pausen in einem 24er Schnitt zu schaffen. Ich plane jedoch folgendermassen mit einem konservativeren Schnitt von 20 km/h inklusive Stops:
| Talorte | Pässe | Dauer | Uhrzeit | Km | Höhe | Hmdiff |
| Alvaneu Bad | 04:30 | 1000 | ||||
| Albula | 01:30 | 06:00 | 24 | 2312 | 1312 | |
| La Punt | 32/1312 | 00:15 | 06:15 | 8 | 1687 | |
| Bernina | 01:30 | 07:45 | 30 | 2328 | 641 | |
| Stazzona | 98/1953 | 01:00 | 08:45 | 36 | 375 | |
| Aprica | 01:00 | 09:45 | 13 | 1175 | 800 | |
| Edolo | 126/2753 | 00:30 | 10:15 | 15 | 699 | |
| Gavia | 02:30 | 12:45 | 37 | 2621 | 1922 | |
| Bormio | 189/4675 | 00:45 | 13:30 | 26 | 1217 | |
| Stelvio | 02:00 | 15:30 | 22 | 2758 | 1541 | |
| Sta Maria | 230/5717 | 00:45 | 16:15 | 19 | 1375 | |
| Ofen | 01:15 | 17:30 | 14 | 2140 | 765 | |
| Susch | 272/6981 | 00:45 | 18:15 | 28 | 1427 | |
| Flüela | 01:15 | 19:30 | 14 | 2383 | 966 | |
| Alvaneu Bad | 01:30 | 21:00 | 45 | 1000 | 150 |
331 km / 8097 Hm
Der Knackpunkt der Strecke wird wohl der Ofenpass. Bis dahin wird es zwar auch schwer werden, aber zumindest kein Neuland für mich sein. 220 km und 5.700 Höhenmeter sind in etwa die Daten eines "Ötztalers", den ich schon vor 8 Jahren einmal unter die Räder genommen habe. Die beiden Schlussanstiege Ofen und Flüela nehmen sich auf der Grafik neben Gavia und Stelvio eher bescheiden aus. Während der Ofen auch eher "pedalabile" ist, ist die Ostrampe des Flüela ein fieses Ding, an dem ich mir schon häufiger auf 2-Pässe-Touren die Zähne ausgebissen habe. Und das dann nach 270 km und 7.000 Höhenmetern... Dass ich keineswegs sicher bin, die Strecke zu bewältigen, macht die Sache aber natürlich erst richtig interessant.
Mal
schauen ob's dieses Jahr klappt!
Ich halte Euch auf dem laufenden.
(Gavia, 2.621 m, dritter Zweitausender)
Radrennen in Italien (Juni 2002)
„Occhio, occhio!“ schreit es ein paar Positionen
weiter vorne. Quietschende Bremsen. Auch ich sehe jetzt die Autos am rechten
Strassenrand. Das Feld macht einen Schlenker nach links. Geschepper. Einer, zwei
liegen auf der Strasse. Dahinter Gefluche, hektische Ausweichmanöver. Knapp
vorbei, hat gereicht. Dann wieder voll antreten, um Anschluss zu halten, den
16er wieder in Schwung bringen, runterschalten, 15, 14, 13, 12. „Occhio,
occhio!“...
Hat man die hektische Anfangsphase im Peloton eines italienischen Radrennens einmal heil überstanden, geht der Spass richtig los. Steile Rampen und lange Anstiege über mehrere Kilometer gehören zum Standard. Doch eigentlich ist das Rennen schon vor Ertönen des Startschusses in vollem Gange...
Der ambitionierte italienische Radrennfahrer zelebriert seinen Auftritt vor dem Start . Gelingt dieser eindrucksvoll, so ist der Ausgang des Rennens beinahe nebensächlich. Wichtig ist zunächst das Outfit: Sponsorenaufdrucke auf durchgestylten Team-Trikots, bei denen so manch gestandener GS1-Profi blass vor Neid werden könnte, sind unablässig. Dazu gehören high-tech Rennmaschinen – oder zumindest solche die so aussehen. Die Maschine Mensch muss selbstredend tiefbraune, austrainierte Beine haben, jede Muskelfaser muss sichtbar sein. Und der bei den Profis heute obligatorische Knopf im Ohr, die direkte Funkverbindung zum sportlichen Leiter, darf ebenso nicht fehlen. Und das sind keine Atrappen, da fährt tatsächlich ein Teamwagen hinterher! Besonders interessant was Ambiente, Streckenführung und Leistungsniveau angeht sind Open Rennen. In Italien nennen sich diese ‚Gran Fondo’ (GF), was ‚Grosse Herausforderung’ bedeutet. Ursprünglich wurden GFs als klassische Radmarathons ausgetragen. Auch heute noch werden solche Rennen von einem Teil der Fahrer als Touristikfahrt betrachtet. Für die grosse Masse sind es aber reine Wettkämpfe. 700 Rennfahrer finden sich mindestens zusammen. Es können aber schnell auch mehrere tausend sein!
Die Industrie hat GFs als ideale Werbemöglichkeit entdeckt, ist man doch viel direkter am Markt, als mit einem GS 1-Team. Nicht weniger als Hochglanzmagazine kümmern sich monatlich um die Schar der Rennwilligen! Wer in Italien ist, sollte am ‚edicola’, dem Kiosk, mal nach ‚Cicloturismo’ (der Name ist NICHT Programm) fragen, dem besten der Magazine. Aber „Bicicletta“, „Gran Fondo“ (beide GF-Hefte), „Tutto Bici“, „Bicisport“ (befassen sich ausschliesslich mit Profi-Rennsport) und „Ciclismo“ (das ital. ‚tour’ könnte man sagen) sind auch nicht schlecht. Auch wer nur ein paar Wortfetzen italienisch spricht, wird dort viel über italienischen Renn-lifestyle erfahren.
Die vorderen Plätze bei GFs machen meist Profis unter sich aus. Das können gestandene GS 1-Profis sein oder auch Fahrer aus Teams, die sich auf GFs spezialisieren. Die grossen GF-Teams organisieren sich professionell, zahlen Gehälter und rekrutieren Ex-Profistrassenrennfahrer oder hoffnungsvolle Nachwuchstalente, für die die GFs als Sprungbrett zu Giro, Tour und Klassikern dienen.
Die hektische Anfangsphase auf ebener Strecke, bei der sich das Peloton mit 45-50 km/h in Richtung Anstiege bewegt ist sicherlich kritisch. Doch sobald sich Spreu vom Weizen am ersten ernsteren Hügel getrennt haben, wird’s übersichtlicher. Ganz vorne mitzufahren ist schwer, aber auch in zweiter Reihe wird richtig reingetreten, so dass die Rennaction nie zu kurz kommt! Strecken von 120 bis über 200 km sind Standard. Dazu kommen 1.500 bis 4.000 Höhenmeter, je nachdem ob hügeliges Gelände oder Alpen.
Die Zeitmessung wird meist per Transponder von Winningtime übernommen. Der für ein Jahr kostenlos zur Verfügung gestellte Chip wird am Rad montiert. Bei der Anmeldung zum nächsten Rennen muss dann nur noch die Chipnummer angegeben werde, aus der sich dann alle persönlichen Daten ergeben. Das Startpaket besteht nicht nur aus einem simplen T-Shirt. Es ist vielmehr voll von einheimischen Leckereien, wie Pasta, Wein, Cafe etc. Und wer gar mal im vorderen Teil des Klassements landet, darf sich zum Beispiel - unter anderem! - auf einen kompletten ‚Prosciutto’ (Schinken) freuen. Das ist luftgetrockneter Schinken - ein 20kg Hinterbein! Geselliger Spass sind die anschliessenden Pasta-Parties. Das dröge carbo-loading vor dem Rennen kann man auch alleine abhalten. Hinterher sind der Hunger sowieso grösser und die Laune besser. Pasta in Italien – was soll man noch sagen? Den ‚vino’ und die italienische Lebensfreude gibt’s natürlich dazu!
Was sollte man noch als Neuling & Ausländer beachten? Wer schon Radrennen gefahren ist, der weiss wie man sich im Peloton zu verhalten hat. Aber auch Anfänger werden sich mit der Zeit zurechtfinden. Das Bewegen im Peloton ist natürlich extrem gewöhnungsbedürftig. Wer sich langsam rantastet und eher am Seitenrand aufhält ist auf der sicheren Seite. Auffälligster Unterschied: die deutlich höhere Leistungsdichte. Kein Wunder, Italien ist bekanntermassen DAS Radsportland. Kleine sprachliche Hürden werde problemlos mit den international üblichen Handzeichen genommen.
Ein wenig Nachhilfe kann aber auch nicht schaden:
‚Occhio’ bedeutet ‚Auge’ und wird ‚ockio’ ausgesprochen. Es ist im Radrennen immer und überall anwendbar, um auf Gefahren hinzuweisen (Kurven, Gegenverkehr, geparkte Autos, gestürzte Mitstreiter etc.). Es heisst also soviel wie ‚Vorsicht!’. Wer meint den Veneto-Akzent nachahmen zu müssen, sagt ‚otscho’. Aber Achtung: Veneto-Italiener gelten weiter südlich als arrogant (da reich).
‚Macchina’ heisst Auto. Überraschender Gegenverkehr oder knapp geparkte Wagen sind im bekannt etwas chaotischen Italien an der Tagesordnung.
Abzweigungen werden vorne im Feld mit ‚sinistra’ (links) oder ‚destra’ (rechts) angkündigt.
Wem ein unwirsches ‚sei matto!?’ von hinten entgenschallt, ist lieber vorsichtig. ‚Bist du verrückt!?’. Sicher war ein Schlenker schuld, der den Hintermann beinahe vom Rad geholt hätte...
Welche Rennen soll man fahren? In Deutschland sind meist lediglich die zwei Klassiker ‚Nove Colli’ und ‚Dolomiti’ bekannt. Diese sind jedoch auch zu Massenveranstaltungen mit knapp 10.000 Startern geworden. Von Rennen kann da kaum mehr gesprochen werden, wenn man nicht in den ersten Reihen steht. Und diese sind für italienischen Profis reserviert. Denen kann man ohnehin nicht Paroli bieten.
Kein Problem, neue Veranstaltungen schiessen in jeder
region wie Pilze aus dem Boden. Auf
gibt es einen Überblick über die wichtigsten Veranstaltungen. Ein Link zur Veranstalterhomepage ist ebenfalls dabei.
Also: beim nächsten Italientrainingslager/-urlaub unbedingt ein Gran Fondo mitmachen – es lohnt sich!
Kette rechts!
Triathlonrad - selfmade, aber günstig!
Wie sieht ein Wettkampfrad aus, das leicht & stabil
ist, die modernste Technik enthält und dabei auch noch bezahlbar ist? Da
sind wir also auf der Suche nach
der berühmten eierlegenden Wollmilchsau. Aber
keine Bange, es findet sich schon was bezahlbares, das dem Ideal sehr nahe
kommt!
Um vorweg ehrlich zu sein: die Kompletträder der Versandhändler preislich zu toppen ist sehr schwer. Viele wollen aber ihre eigene, individuelle Rennmaschine und nichts von der Stange. Wer ein wenig Spürsinn für taugliches Material hat und nicht zwei linke Hände sein Eigen nennt, dem bieten sich unzählige Möglichkeiten.Lassen wir doch den Vereinskumpel ein gesichtsloses Preis-/ Leistungswunder aus dem Versand fahren. Uns passt das nicht. Bei uns fährt das Auge mit. Wir haben keinen Massengeschmack.
Hier ein paar Ideen:
Man nehme zunächst: einen brauchbaren Rahmen. 26“
ist out, kaum mehr erhältlich und nur für die kleineren Kämpen unter uns erwägenswert.
Und die Geometrie? Normaler Rennrahmen mit flachem Sitzrohrwinkel oder Tria-75°-Sitzrohrwinkel?
Wer viel in Hügeln und Bergen unterwegs ist, der sollte lieber zum klassischen
Rennrad greifen. Zudem ist die Auswahl an günstigen Standardrahmen deutlich grösser.
Ein Blick in den Anzeigenteil vom Monopolisten ‚tour’ genügt.Um einen
Alurahmen kommen wir nicht herum in der angepeilten eher niedrigen
Preiskategorie. Steif sollte er sein und mehr als 1.800g ohne Gabel muss er auch
nicht wiegen. Das alles gibt’s schon für 400 € in bewährter 6000er oder
7000er Alulegierung. Wer einen speziellen Tria-Rahmen sucht, muss etwas tiefer
in die Tasche greifen. Der Markt ist einfach kleiner. Falls der Rahmen ohne Gabel
verkauft wird, bietet sich die Alugabel von Vitus an. Die ist leicht und steif.
Carbongabeln sind Alu lediglich in der Vollcarbonversion gewichtsüberlegen,
dann aber sehr teuer. Carbon überlassen wir lieber den Posern mit dickem
Geldbeutel.
Campa oder Shimano? Ist wieder Geschmackssache. Funktionieren beide anstandslos. Bei Campa tut’s die Centaur (Nr.3 im Campa-Programm nach Record und Chorus). Sie ist in vielen Teilen baugleich mit den Topgruppen, hat identische Funktion.Gleiches gilt für die 105er der Japaner. Schmirgelt man den hässlichen, gelben 105er Schriftzug weg, sehen die Teile auch noch richtig gut aus.
Lenker und Vorbau sollten vom gleichen Hersteller sein. Oftmals sind Lenkerklemmschrauben an Vorbauten unterdimensioniert. Sturzrisiko beim Bruch!Richtig gut sind Teile von Ritchey (für die Experten: M6er Schrauben). Die sind stabil, relativ leicht und auch noch günstig. Zugreifen! Wer einen Hornlenker bevorzugt – wirklich empfehlenswert ist das nur in Kombi mit Triathlon-Geometrie – sollte zum Syntace greifen. Wem dieser zu teuer ist, der nimmt einen Rennlenker, dreht ihn auf den Kopf und sägt ihn ab.
Sattel? Da muss jeder für sich sein passendes
Modell finden. Trial and
error.
Laufräder. Schwieriges Thema. Wirklich dauerhaft haltbar sind lediglich Standardlaufräder mit 32 oder 36 Speichen. Und sollte doch mal eine Speiche reissen, kann man mit leicht geöffneter Bremse ohne Schwierigkeiten weiterfahren. Die Reparatur ist zudem einfach. Moderne Kompletträder sind nicht steifer (eher labiler) und im bezahlbaren Bereich selten leichter. Verringerte Speichenzahl und hohe Felgen sorgen dafür für verbesserte Aerodynamik. Tip: in jedem Fall ein 32er Standardsatz zulegen. Wer kann, kauft dazu noch einen Satz aerodynamische Komplettlaufräder für Wettkämpfe. Die günstigen Mavic-, Campa- oder Citec-Laufräder reichen allemal. Ersatzspeichen sollte man allerdings in jedem Fall gleich mitkaufen. Reifen: Conti Grand Prix, nicht faltbar. Etwas bieder aber überragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein unglaubliches Laufwunder. Die faltbare Version ist ein wenig leichter, aber teurer. Wer Pepp an’s Rad will, investiert in einen Conti Grand Prix 3000 und wählt aus über 10 Farben. Bunte Reifen gibt’s auch beim billigen Conti Sport 100. Dieser hält aber nicht so lange.
Unter Preis-/Leistungsaspekten dürfen Pedale eigentlich nur aus dem Hause Look kommen. Da genügt problemlos ein günstiges Modell.
Ein Lenkeraufsatz macht unser Rad zum Triathlonrad. Der Markt wird enger, übrig geblieben sind Syntace und Profile. Syntace ist leicht und stabil, aber teuer. Ausserdem sind die Armschalen nicht klappbar, so dass die Oberlenkerposition schwer eingeschränkt ist. Profile hat günstige Aufbauten im Programm, die auch klappbar sind. In Frankreich und Italien findet man noch die Aufsätze von 3ttt. Diese sind an Einstellungsmöglichkeiten nicht zu toppen. Insbesondere für Standardrennräder interessant ist die Positionierung der Armschalen hinter dem Lenker. Wem Spinacci und Co. reichen, der greife zu. Seit die UCI diese verboten hat, bekommt man sie zu Spottpreisen.
Kette rechts!